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„Attraktive Online- und Offline-Erlebniswelten schaffen Win-Win-Situation für Handel und Städte“

Im Beirat der „Stadtlabore für Deutschland: Leerstand und Ansiedlung“ vertritt unter anderen Dr. Alexander v. Preen, CEO der INTERSPORT Deutschland eG, die Sicht des Handels auf die Innenstadt. Der Handel ist für ihn die zentrale Plattform, die den Austausch von Mensch zu Mensch in der Innenstadt erst ermöglicht. Wir haben mit ihm über den Handel als Ort der Begegnung gesprochen.

Porträtfoto Dr. Alexander von Preen, CEO INTERSPORT Deutschland eG

Innenstädte ohne Shopping-Option sind für die meisten undenkbar. Wovon wird das Zusammenspiel von Stadt und Handel am meisten leben?

Lebendige Innenstädte mit viel Lebensqualität: das wünschen sich alle. Ein optimales Zusammenspiel von Stadt, Kultur, Gastronomie und Handel setzt einiges voraus: Extrem wichtig sind hierbei zunächst zuverlässige, schnelle und verbindliche Planungsverfahren, damit dynamischer Handel in den Städten mit entsprechender Mischnutzung möglich wird. Ein weiterer Aspekt sind realisierbare Mieten, die sich an einer nachhaltigen und längerfristigen Handelsansiedlung orientieren müssen. Die Sicherstellung attraktiver Mischquartiere mit hoher Anziehungswirkung ist entscheidend. Falls es gelingen würde, in den Quartieren angemessene, realistische Sockel-Mieten vertraglich zu fixieren und den Rest erfolgs- bzw. umsatzabhängig zu gestalten, wäre in vielen Städten der stationären Handelslandschaft sehr geholfen. Ein sehr erfolgreiches Beispiel für diesen Ansatz kann man in einer solch pulsierenden Stadt wie Wien, wo Mieten entsprechend ausgestaltet sind, sehr schön sehen.

Gibt es neue Nutzungskonzepte aus dem Handel heraus, die das Geschäftsmodell des stationären Handels erweitern?

Der Einzelhandel entwickelt sich insbesondere beim Handel mit stationärer DNA immer stärker in Richtung Omnichannel-Handel. Ich bin davon überzeugt, dass attraktiver Omnichannel-Handel eine Win-Win-Situation für Handel und Städte schafft. Insgesamt geht es um einen Wettbewerb für das beste Gesamterlebnis: Bei INTERSPORT bedeutet das, dass wir unseren Kund:innen ein vielfältiges Ökosystem rund um Sport und Gesundheit bieten. Dieses umfasst mit dem INTERSPORT Club die größte Sport-Community in Deutschland, wo Personalisierung und individuelle, lokale Services für unsere Kund:innen integriert werden – für alle Sportdisziplinen und Leistungslevel. Es geht um das Schaffen von Erlebnissen – online und offline. Stationäre Händler sind somit weitaus mehr als regionale Läger zur Auslieferung von Onlineverkäufen, denn Konzepte wie Click & Collect verzahnen die Online- und Offline-Welt und individuelle oder auch regionale Schwerpunkte ergänzen das Händler:innen-Profil. Außerdem hat der stationäre Handel in den letzten Jahren stark in das Thema „Einkaufserlebnis vor Ort“ und Beratung investiert. Ergänzende Lifestyle- oder Kaffee-Angebote wurden etabliert. Sportmöglichkeiten in und um die Stores wie z. B. Kletterwände, Outdoor-Trails oder eine Surfwelle wurden geschaffen, um die Attraktivität zu steigern. Attraktive Angebote der Händler:innen steigern direkt die Lebensqualität in den Städten – der Kreis schließt sich, Win-Win-Situationen entstehen.

Freizeitangebote für eine vitale Innenstadt: Wo sehen Sie Anknüpfungspunkte und Hürden, Anlässe in der Innenstadt zu schaffen?

Es sind wirklich große Chancen, die sich mit der Konzeption und Umsetzung gemeinsamer Anlässe in den Innenstädten auftun. Es sind aber auch eindeutig Erwartungshaltungen unserer Kund:innen, insbesondere junger Zielgruppen, für die sowohl Städte als auch Marken bzw. Unternehmen reizvolle Events und Erlebnisse bieten sollen. Es gibt vielseitige und attraktive Angebote und Ideen unserer Händler:innen, die jedoch auch möglich gemacht werden müssen. Die Ideen reichen von Laufgruppen, die Sportfachhändler organisieren, über Yoga-Stunden oder Outdoor-Trainings, die nach Geschäftsschluss in den Läden durchgeführt werden sollen. Hierfür ist sicherlich von übergeordneter Bedeutung, dass die Ladenöffnungszeiten insbesondere auch an den Wochenenden deutlich offener und flexibler gestaltet werden. Auch der stationäre Handel muss die Möglichkeit erhalten, dann zu öffnen, wenn die Kunden in die Städte gehen und das „Erlebnis Stadt“ in allen Facetten genießen wollen.

Was sind für Sie bisher die wichtigsten Impulse aus dem Projekt?

Der wichtigste Impuls aus dem Projekt ist aus meiner Sicht die Entwicklung einer von allen Stakeholdern genutzten und datenbasierten IT-Systemlandschaft, die eine schnelle und transparente Übersicht über freie Flächen in den Städten schafft. Dies ist eine der elementaren Voraussetzungen dafür, dass das Nutzungspotential der Städte auch dynamisch und aktuell bereitgestellt werden kann. Aufgrund der Zusammensetzung und Strukturierung des Projektes sollte es aus meiner Sicht gelingen, die notwendige Öffentlichkeit in Politik, Wirtschaft und auf kommunaler Ebene zu erlangen, damit wichtige Weichenstellungen kurzfristig ermöglicht werden.

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